Hepatitiden – Hepatitis A, B und C
Das Hepatitis-A-Virus (HAV) ist hüllenlos, stabiler als
HBV und
HIV und
außerhalb des Körpers ca. 12 Stunden lebensfähig. Es überlebt Temperaturen von 60 °C bis zu 30 Minuten lang, bei 80 °C einige Minuten, bei -20 °C hält es sich jahrelang
(tiefgefrorene Nahrung, Blutprodukte);
Nur Abkochen ist eine sichere Methode zur Abtötung.
Es wird durch das (Solvent-Detergent-) Verfahren zur Herstellung von Blutprodukten nicht sicher zerstört, da es im pH-Bereich (Maß für die Stärke der sauren bzw. basischen Wirkung einer wässrigen Lösung) von 3-10 stabil ist.
Die Übertragung erfolgt fäkal-oral, durch Schmierinfektion, d.h. das Virus wird mit dem Stuhl ausgeschieden und oral über kontaminierte (damit in Berührung gekommene) Nahrung und Getränke oder durch engen Körperkontakt, auch oral-anal, (oral = über den Mund; anal = den After betreffend) aufgenommen. In der „Dritten Welt“ meist durch kontaminiertes Trinkwasser.
Die Hälfte aller Reisenden infiziert sich an kontaminierten Muscheln. Da diese sich durch Filtrieren von Wasser ernähren, konzentrieren sich die Viren in den Muscheln um den Faktor 1000. Das infektiöse Virus bleibt in den Muscheln monatelang lebensfähig und ist auf vielen Südseeinseln endemisch (endemisch = örtlich begrenzt auftretend), d. h. es kommt ständig vor.
In Europa ist der Kontakt mit Infizierten in Haus- oder Wohngemeinschaften oder in Gemeinschaftsunterkünften die häufigste Ansteckungsquelle.
Selten geschieht eine Virusübertragung durch Fremdblutkontakt bei Bluttransfusionen oder Faktor VIII-Substitution (Gerinnungsfaktor) von Hämophilen (Hämophile = Menschen mit einer Blutgerinnungsstörung; seit 1988 in Italien 84 und in der BRD 13 Fälle).
Häufig geschieht eine Übertragung dagegen beim Nadeltausch von Fixern. Diese sind mehrfach gefährdet, weil sie meist unter sehr unhygienischen Verhältnissen leben und sich obendrein im Gefängnis infizieren können. Sogar
Drogen selbst können infiziert sein, wenn sie, in Kondomen verpackt, geschluckt werden und direkt fäkal (die Fäkalien betreffend) kontaminiert werden.
(Epidemiologie = Verbreitung)
Hepatitis A ist heute vorwiegend in der Dritten Welt endemisch (endemisch = örtlich begrenzt auftretend), in Afrika besteht eine Durchseuchung von 100%. Die Infektion erfolgt dort meist schon in der Kindheit, Erwachsene sind deshalb weitgehend immun (frei von Übertragung).
In Europa ist die Verbreitung durch Verbesserung der sozioökonomischen Bedingungen in den vergangenen 20 Jahren zurückgedrängt worden. In der BRD beträgt die Durchseuchungsrate 5 %, die Hepatitis A macht aber immer noch 40 % aller Hepatitiden aus.
1996 wurde die niedrigste Erkrankungsrate gefunden, von 6 / 100.000.
Jährlich werden 3500 Fälle registriert. Da die Krankheit in Europa immer seltener in der Kindheit durchgemacht wird, ist die natürliche Immunität (Übertragungsschutz) in den Altersgruppen unter 40 Jahren auf nur 10-20 % abgefallen. Über 40-jährige sind zu 45 % und über 50-jährige zu 70 % gefeit.
Bei uns gilt Hepatitis A inzwischen als Reisekrankheit, denn 50 % der Erkrankungen sind importiert. Bei Auslandsreisen erkranken 2 % der Tramper und 0,3 % der Hoteltouristen an Hepatitis A, damit steht sie an 3. Stelle der Reiseinfektionen nach Durchfällen und Erkrankungen der Atemwege.
Die Erkrankungsrate ansteigend mit dem Lebensalter:
(Inkubationszeit beschreibt die Zeit zwischen der Infektion mit einem Krankheitserreger und dem Auftreten der ersten Symptome.)
Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 4 Wochen (14-40 Tage). Die Virusausscheidung im Stuhl beginnt 10 bis 14 Tage vor Krankheitsbeginn, das Maximum wird kurz vor Krankheitsausbruch erreicht.
50 % der Erkrankungen verlaufen ohne Symptome, also unbemerkt. Sonst kann es bei einem plötzlichen und heftigen Beginn zu grippeähnlichen Beschwerden mit leichtem Fieber kommen, mitunter Gelbsucht, dabei dunkler Urin, heller Stuhlgang und Gelbfärbung der Skleren (Augen) und der Haut .
Die Krankheit dauert meist 2 bis 6 Wochen, bei 10-18 % verzögerter schwerer Verlauf bis zu sechs Monaten.
Eine Therapie ist normalerweise nicht nötig, nur bei Komplikationen; bei Transaminasen (substratspezifische Enzyme) über 1000 ist eine stationäre Behandlung erforderlich.
Die Sterblichkeitsrate ist sehr niedrig, steigt jedoch mit dem Lebensalter und kann bei über 50-jährigen immerhin 0,5 % betragen, das heißt 12 bis 16 Todesfälle pro Jahr.
Es gibt keine Langzeitfolgen, Hepatitis A zeigt keinen chronischen Verlauf, bei fast 100 % der Erkrankten kommt es zur Ausheilung mit dauerhafter Immunität.
Besonders in Gemeinschaftsunterkünften und Kindertagesstätten ist eine sorgfältige Haushaltshygiene notwendig. Kranke müssen räumlich isoliert werden, entscheidend sind getrennte Toiletten und Geschirr. Betreuer schützen sich durch Händedesinfektion und am besten durch eine aktive Impfung. Für medizinisches Personal ist Hepatitis A als Berufskrankheit anerkannt.
Die passive Impfung ist veraltet, aber in einzelnen Fällen sinnvoll, 5 ml Immunglobulin intramuskulär (in den Muskel) bieten für 3-6 Monate relativen Schutz.
Die aktive Impfung gibt es erst seit einigen Jahren. Für die Grundimmunisierung benötigt man entweder 2 Injektionen im Abstand von 4 Wochen und eine dritte nach 6-12 Monaten, oder eine höherdosierte Impfung, die nach 1 Jahr wiederholt werden muss. Auffrischung wahrscheinlich nach 5-10 Jahren. Vor Reisen in das tropische Ausland und die Mittelmeerländer unbedingt zu empfehlen.
Stand: Januar 2007
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