Substitutionsbehandlung von Opiatabhängigen
Seit 1987 wird in der Bundesrepublik zunehmend die Substitutionsbehandlung von Opiatabhängigen mit Methadon durchgeführt. Die Änderungen von Betäubungsmittelgesetz und -verordnung im Jahre 1993 haben dazu geführt, dass derzeit mehrere Tausend Abhängige substituiert werden. Seit dem 1. Februar 1994 ist neben dem bisher in Deutschland gebräuchlichen Levomethadon (L-Polamidon®) nun auch das Racemat aus links- und rechtsdrehendem Methadon (synonym: DL-Methadon, Methadon-Racemat) zur Substitution verschreibungsfähig. L-Methadon ist doppelt so stark analgetisch wirksam wie das Racemat, so dass die DL-Methadon-Dosis etwa doppelt so hoch sein muß wie die L-Methadon-Dosis.
Ampullen zu 2.5 mg und 5 mg. Tropfen zu 5 mg / ml. Tagesverschreibungshöchstmenge 150 mg.
Über Rezeptur.
Nach oraler Gabe gute Resorption. Verzögerter Wirkungseintritt (30 bis 60 Minuten), jedoch auch längere Wirkungsdauer im Vergleich zur intravenösen Verabreichung. Intensive Bindung an Plasmaeiweiße. Metabolisierung in der Leber, Ausscheidung hauptsächlich über die Nieren, aber auch über den Stuhl.
Die gleichzeitige Anwendung von ZNS-dämpfenden Substanzen (
Barbiturate,
Benzodiazepine, Alkohol, Antidepressiva) verstärkt die atemdepressive, hypotensive und ZNS-Wirkung von Methadon und ist fast immer kontraindiziert. Die Wirkung von Methadon wird durch Substanzen herabgesetzt, die ebenfalls in der Leber metabolisiert werden (Rifampicin, Phenytoin). Während einer Rifampicin-Behandlung ist mitunter eine Steigerung der Ausgangsdosis um das Dreifache notwendig. Bei Gabe von Anticholinergika kann es zu einem paralytischen Ileus kommen.
Die Dosierung ist individuell festzulegen. Üblicherweise wird bei L-Polamidon eine tägliche Dosis zwischen 40 und 55 mg erreicht.
Einstellung zunächst mit 20 bis 30 mg / d, dann ansteigend über 10 bis 14 Tage auf 70 mg / d und schließlich in den folgenden Wochen Abstimmen der individuellen Dosis, die meist zwischen 80 und 100 mg / d, selten nur über 120 mg / d liegen wird.
Zeichen der ZNS-Dämpfung, Atemdepression, stecknadelkopfgroße Pupillen. Hypotension, Schock, Apnoe, Kreislaufstillstand, Lungenödem und / oder Krämpfe in ausgeprägten Fällen. Diese Symptome können auch auftreten, wenn die Substanz über mehrere Wochen kumuliert!
Therapie: Freihalten der Atemwege und beobachten. Bei Zeichen der respiratorischen oder kardiovaskulären Insuffizienz Naloxon, zunächst eine halbe Ampulle, dann mehrere Ampullen, bis die Patienten ansprechbar sind. Beachte, dass die Wirkungsdauer von Naloxon kürzer ist als die von Methadon. Deshalb sind oft wiederholte Gaben notwendig. Bei Behandlung innerhalb von 2 Stunden nach oraler Aufnahme von Methadon Erbrechen induzieren oder Magenspülung.
Cave (Warnung) : Aspiration. Gabe von Aktivkohle. Bei Unsicherheiten Kontaktaufnahme mit einer Giftzentrale.
Sedierung, Schlaflosigkeit, Agitiertheit, Verwirrung, euphorische Zustände
Bradykardie, Synkope
trockener Mund, Gallengangsspasmen, Übelkeit, Erbrechen, Konstipation
Schwitzen, Juckreiz
Harnverhaltung, Libidoverlust
Atemdepression
Methadon wird in einem Glas Wasser oder Fruchtsaft verabreicht. Die Patienten sollten die Substanz unter Aufsicht zu sich nehmen, um einen Missbrauch (Vermarktung) zu vermeiden. Bei einem akuten Entzugssyndrom ist meist die Gabe eines zusätzlichen Schmerzmittels notwendig. Methadon tritt in die Muttermilch über. Bei Säuglingen, die von Müttern unter Methadon gestillt werden, kann eine Opiatabhängigkeit auftreten.
Auf die mögliche konstipierende Wirkung von Methadon hinweisen. Ernährung mit ballastreicher Kost.
Mittel zur Substitutionsbehandlung von Heroinabhängigen, wenn eindeutige Indikationen hierzu vorliegen. Die Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes (BTM) sind einzuhalten.
Eine Substitution bei stationären Patienten bzw. Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen erhöht die Therapiefähigkeit. Die beschriebene verlängerte Überlebenszeit von HIV-positiven, mit Methadon substituierten Heroinabhängigen ist vermutlich auf eine allgemeine Verbesserung der Lebensumstände wie gesündere Ernährung, gründlichere Pflege und bessere Therapiecompliance zurückzuführen.
Literatur: 1. Bornemann R, Poelke T: Mit Methadon-Racemat Anpassung an den internationalen Standard. Deutsches Ärzteblatt 1994; 91: B-2390-2.
Stand Juli 2006
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