Cocablatt & Coca Cola
Die ältesten Hinweise, die auf den Gebrauch von Cocablättern deuten, datieren auf zirka 3000 v. Chr. Ab dem 15. Jhd. (1492) diente die Unterstützung des Kokainkonsums der einheimischen Bevölkerung, den wirtschaftlichen Interessen der Spanier. Durch das Kauen der Cocablätter erhöhte sich die Arbeitsleistung. Verelendung, Armut und Unterdrückung waren leichter zu ertragen. Die Sublimierung des Hungergefühls hielt die Kosten für Nahrungsmittel gering.
Im 17. und 18. Jhd. brachten Berichte über Gebrauch und Wirkung der Cocablätter ein gesteigertes Interesse in Europa hervor. 1787 riet der Jesuit da Antoni statt Tee, Kaffee und Tabak vermehrt Coca einzuführen und bei Augenschwäche anzuwenden. Der Arzt da Pedro schlug vor, Cocablätter zum festen Bestandteil der Schiffsvorräte zu machen, um Lebensmittelkosten zu sparen. 1855 gelang es Gaedecke, einen Extrakt aus der Cocapflanze herzustellen. 1860 isolierte Albert Niemann das Hauptalkaloid, das Kokain. 1862 begann die Firma E. Merck (später Teil der I.G. Farben) mit der Produktion von „Cocainum hydrochloricum“. 1863 entwickelte der korsische Chemiker Angelo Mariani einen Cocaextrakt auf Weinbasis, den Vin Mariani. 1880 erkannte Carl Koller die Bedeutung des Kokains als Lokalanästheticum und nutzte diese Eigenschaft insbesondere bei Augenoperationen.
1884 empfahl Sigmund Freud Kokain als Mittel gegen Depressionen und Angstzustände, er riet die Anwendung als Substitut bei Morphinabhängigen.
1886 brachte der Apotheker J.S. Pemberton ein medizinisches Tonikum namens Coca Cola auf den Markt. Es wurde gegen Kopfschmerzen, Müdigkeit und als Stärkungsmittel für Grippekranke eingesetzt. Nach geringfügigen Änderungen der Rezeptur und der Gründung der Coca Cola Company wurde Coca Cola als Erfrischungsgetränk zum Renner in den Drugstores Nordamerikas. 1903 wurde der Cocaanteil der Limonade durch einen erhöhten Koffeinanteil ersetzt, als Reaktion auf den öffentlichen Druck wegen der bekanntgewordenen Suchtgefahr durch Kokain.
Im ersten Weltkrieg wurde Kokain eingesetzt, um die Leistungsfähigkeit der Soldaten, insbesondere der Piloten, zu erhöhen. Nach dem Krieg, in den „roaring twenties“, spielte Kokain in der (deutschen) Unterwelt eine große Rolle, auch unter Intellektuellen und Künstlern war es sehr verbreitet.
Geschnupftes Kokain führt unmittelbar zu einem kalten, tauben Gefühl in Nase und Rachen. Die Atmung wird beschleunigt, die Pulsfrequenz erhöht. Die Pupillen werden größer. Etwas später folgt die erwünschte psychische Wirkung: Das subjektive Gefühl leistungsfähiger, stärker und intelligenter zu sein. Die Stimmung ist gehoben, der Antrieb gesteigert. Alltägliche Probleme treten in den Hintergrund. Das Denken wird beschleunigt und reich an Assoziationen. Viele haben das Gefühl, sonst schwer lösbare Probleme während des Rausches klar durchdenken zu können. Das soziale Kontaktverhalten ändert sich ebenfalls. Der Kokainberauschte ist weniger gehemmt, wirkt ansteckend, enthusiastisch und direkter im Umgang.
Insbesondere sexuelle Hemmungen fallen, bei erhöhter Libido und verzögertem Eintritt des Orgasmus. Kokain „suggeriert dem Konsumenten, ein extrem gutaussehender, höchst eloquenter Nobelpreisträger mit der sexuellen Anziehungskraft eines schwarzen Loches zu sein.“ (Moers 1995).
Einfache Halluzinationen, besonders taktile, sind nicht selten. Bei manchen Menschen wird das aggressive Agieren ausgeprägter. Depressionen, Psychosen, Krampfanfälle, Suizidgefährdung, Schwächung des Immunsystems, Gewichtsverlust, Leberschäden, entzündliche Verätzung der Nasenschleimhäute und Nasenscheidewände (Konsumform Sniefen), schnelle Toleranzentwicklung, erhöhtes psychisches Suchtpotential.
Stand: Juli 2006
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