Internet-Abhängigkeits-Syndrom
Nachdem sich das Internet vom Expertenmedium für Wissenschaftlern und Studenten zum „Massenmedium“ entwickelt hat, wird seine virtuelle Realität immer Bestandteil der gesellschaftlichen Realität unserer Gesellschaft. Die Frage ob das Internet ein gefärdendes Suchtpotential bietet möchten wir an dieser Stelle nicht beantworten. Zu unterschiedlich sind die Meinungen über dieses noch sehr junge Medium und wirklich relevante Studien zu diesem Thema liegen nur vereinzelt vor. Vielmehr möchte wir an dieser Stelle einen Überblick geben was es zu diesem Thema im Internet gibt so das sich der geneigte Leser selbst ein Bild über den Stand der Dinge zu diesem Thema machen kann
Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen neun und dreizehn Prozent aller Online-Besucher das Internet zwanghaft nutzen. Die sogenannten Internet-Junkies verbringen bis zu 60 Stunden in der Woche im Netz, während der „normale“ User ca. 10 Stunden online ist. Dr. Oliver Seemann von der Psychiatrischen Universitätsklinik München spricht sogar schon von einer neuen Krankheit, dem „Internet-Abhängigkeits-Syndrom“ (IAS).
Der Begriff Internetsucht (Onlinesucht) wurde von dem New Yorker Psychiater Ivan Goldberg, selbst ein intensiver Internet-Nutzer – zunächst eher scherzhaft – geprägt. Doch dieser Scherz von der „Internet Addiction“ (Netaddiction) entwickelte sich schnell zum Gesprächsthema nicht nur einiger kleinen Internetgemeinde. Die New York Times hatte im Februar 1995 einen Artikel zum Thema „Internetsucht“ geschrieben. Seither häufen sich die Untersuchungen.
Die derzeit interessanteste Studie zu diesem Thema in Deutschland wird von der Humboldt-Universität zu Berlin (Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie und Gesundheitspsychologie) von Anja Niesing (cand. psych.), Andy Heer (cand. psych.), Dipl.-Psych. André Hahn und Prof. Dr. Matthias Jerusalem durchgeführt.
An der Pilotstudie, die ab Juli 1999 für die Dauer von drei Monaten als Online-Erhebung im Internet durchgeführt wurde, beteiligten sich mehr als 10.000 Personen. Von zirca 9.000 Teilnehmern liegen uns vollständige Daten vor. Die Stichprobe erwies sich als repräsentativ im direkten Vergleich zu drei repräsentativen bundesdeutschen Studien mit der Ausnahme, dass der Altersdurchschnitt etwas niedriger lag.
Derzeit läuft eine Folgestudie an der sich jeder beteilgen kann, der einen Internetzugang hat.
Das Internet als die Kommunikationstechnologie schlechthin bedroht die zwischenmenschlichen Beziehungen. Zumindest ist dies eine These, die von einigen Forschern der Carnegie Mellon University (
www.cmu.edu) vertreten und durch eine breitangelegte Studie gestützt wird. Robert Kraut und seine Kollegen führten eine Langzeitstudie an 169 Personen aus 73 Haushalten durch und untersuchten den psychischen und sozialen Einfluss des Internets auf das soziale Eingebundensein und das psychische Wohlbefinden in den ersten 1-2 Jahren, in denen diese Personen online waren.
Es zeigte sich, daß eine umfangreichere Internetnutzung mit verringerten Sozialkontakten einherging: Die Familienmitglieder kommunizierten untereinander weniger, die Freundes- und Bekanntenkreise wurden kleiner, die Beteiligung am gesellschaftlichen Leben (Vereine etc.) sank. Die Forscher räumen indes ein, dass eine echte Langzeitstudie mit einer Dauer von mehreren Jahren in diesem Fall natürlich noch nicht möglich ist, da das Medium zu jung ist.
Während vor 15 Jahren Computer nur in Wissenschaft und Business genutzt wurden, gibt es 1998 zwar in 43 Prozent aller US-Haushalte einen Computer, doch nur ein Drittel von ihnen hat bereits einen Internet-Zugang, und dieser ist nicht älter als 1-2 Jahre. Prognosen müssen daher mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden. Die Forscher beziehen in ihre Untersuchungen daher zum Vergleich auch gesellschaftliche Veränderungen ein, die sich durch früher etablierte Medien wie Telefon und Fernsehen ergeben haben. Dabei stützen sie sich unter anderem auf eine vieldiskutierte Studie von Robert Putnam (1995), die einen Rückgang des sozialen Engagements und der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in den letzten 35 Jahren in den USA dokumentiert. [Quelle: Doris Marszk, Carnegie Mellon University]
HSO e.V. ist die erste Selbsthilfegruppe für Onlinesuchtgefährdete in der Bundesrepublik Deutschland. Neben diversen Links zum Thema, online Foren gibt es auch „echte“ Adressen zu Kontaktpersonen, Psychologen usw.
Liebe Besucher(innen) dieser Seiten,
gestattet uns bitte vorab ein kurzes Vorwort – es wird sicher helfen, Missverständnisse und dergl. mehr – zu vermeiden. Danke. Der HSO e.V. wurde aus einer nahezu zwingenden Notwendigkeit – den unangenehmen Begleiterscheinungen die sich zuweilen bei Internetnutzern einschleichen, nämlich der Onlinesucht – gegründet. Nun kann man sicherlich über den Begriff Onlinesucht streiten – denn bei oberflächlicher Betrachtung – scheint es diese Sucht überhaupt nicht zu geben. Unsere Erfahrungen mit Menschen, die sprichwörtlich Ihr „letztes Hemd“ durch das Internet verloren haben, belehren uns aber eines Besseren. Da uns täglich über hundert Telefonanrufe von verzweifelten Internetnutzern erreichen – Tendenz steil steigend – wird wohl keiner an der vorhandenen Onlinesucht zweifeln. Diesen Menschen muss und wird durch den HSO e.V. geholfen werden...
Die Psychiatrische Universitätsklinik München (LMU) bietet die Münchener Ambulanz für Internet-Abhängige.
„Internet-
Abhängigkeit ist unserer Erfahrung nach ein Syndrom als Ausdruck einer bestimmten psychischen Verfassung. Es gibt jedenfalls Personen, die selbst unter dem Internet-Gebrauch leiden oder ihren Mitmenschen dadurch Probleme bereiten. Falls Sie zu diesen Personen gehören, bzw. das Gefühl haben, vom Internet abhängig oder süchtig zu sein, besteht die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und zum Austausch. Dieses Angebot gilt auch für Angehörige, Partner oder Eltern.
Eine ärztliche Therapie und Beratung im herkömmlichen Sinn ist allerdings erst dann möglich, wenn Sie sich persönlich (ambulant) in der Münchener Universitäts-Klinik einfinden. Nach Vorgesprächen kann dann gemeinsam entschieden werden, ob eine Therapie sinnvoll und notwendig ist.
Falls Sie aus persönlichen Gründen eine Betreuung außerhalb der Klinik wünschen, gibt es auch im Zentrum von München einen geeigneten Praxisraum.
Es gibt Patienten, die eher Vorteile durch eine medikamentöse Behandlung haben. Manche Patienten verlangen von sich aus auch eher nach Medikamenten als nach Gesprächen. Für einen bestimmten, ausgewählten Kreis von Patienten steht nun voraussichtlich in Kürze ein spezielles Medikament zur Verfügung.
Die Kontaktaufnahme erfolgt selbstverständlich vertraulich und im Rahmen der ärztlichen Schweigepflicht. Die E-Mail-Nachrichten, werden auf dem klinikeigenen Server empfangen. Eine absolute Daten-Sicherheit besteht im Netz bekanntlich nicht.
Bei großer Verzweiflung oder gar Selbstmordgedanken und konkreten Selbstmordabsichten bitten wir Sie dringend, rasch einen Arzt Ihres Vertrauens aufzusuchen.“
Auch bietet die Ambulanz einen „
Internet-Sucht-Test “ an.
Münchener Ambulanz für Internet-Abhängige
Beratungs-Hotline für Verhaltenssucht der Charité Berlin
(Pathologisches Glücksspiel, exzessive Computernutzung,
weitere Formen der Verhaltenssucht):
Montag bis Freitag 12.00-17.00 Uhr,
Telefon-Nummer: (030) 4 50 52 95 29
Stand: Juli 2006
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