Designer-Drogen im Allgemeinen
„Künstliche, synthetische oder Designer-Drogen sind das Ergebnis aus dem Bestreben der Menschen, Lust, Entspannung, Unlust, Produktivitäts- und Ruhephasen zunehmend selbst kontrollieren und bestimmen zu wollen, ohne sich und anderen dabei Schaden zuzufügen.“
Mit dieser Feststellung beginnt einer der vielen Aufsätze zum Thema Designer-Drogen, die zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses gerückt werden, wenn die veröffentlichte Meinung über
Drogen,
Sucht und
Rausch berichtet. Insbesondere die mit einer bestimmten Musik- und Freizeitkultur in Verbindung gebrachte Designer-Droge
Ecstasy erregt dabei immer wieder das gesteigerte Interesse
in den Schreibstuben der Nation.
Wichtig scheint es zunächst, die vielen Begrifflichkeiten, die in diesem Zusammenhang oft vermischt werden, zumindest knapp zu beschreiben und gegeneinander abzugrenzen. Dabei ist zunächst zu klären, was denn eigentlich unter dem Begriff Designer-Drogen verstanden wird.
Als Designer-Drogen im engeren Sinne werden die
chemischen Substanzen bezeichnet, die ausschließlich künstlich (synthetisch) in kleinen oder großen Chemielaboren (
LABS) mit dem Ansinnen hergestellt werden, die Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes und seiner Anlagen und Ausführungsbestimmungen zu umgehen.
Dies wird dadurch erreicht, dass die chemische Struktur bereits vorhandener und verbotener Stoffe verändert wird, so dass sie dann als neue, eigenständige Stoffe nicht mehr unter das BTMG fallen. Die Wirkung des verbotenen Ausgangsstoffes bleibt dabei erhalten und wird häufig sogar in jeder Hinsicht übertroffen.
Designer-Drogen sind oft nur künstliche Imitate lange bekannter Drogen, aus denen sie deriviert (abgeleitet) werden. Teilweise sind sie aber auch völlig neue, rein synthetisch-chemische Zusammensetzungen. Auf diese Weise wurde das Angebot der Stoffe, bezüglich deren Intensität und Dauer ihrer Wirkungen, enorm ausgedehnt.
Wichtigster Unterschied zu den klassischen Drogen ist dabei die Tatsache, dass Designer-Drogen über keinerlei natürliche Rohstoffbasis verfügen, sondern ausschließlich aus verschiedenen chemischen Substanzen „zusammengebraut“ werden.
Fasst man den Begriff Designer-Drogen etwas weiter und lässt die subjektive Produktionsmotivation, das BTMG zu umgehen, außen vor, so ist das Hauptmerkmal aller Designer-Drogen deren rein künstliche Herstellung in Chemielaboren, wobei es keine Rolle spielt, ob es sich um einfache oder komplizierte chemische Produktionsprozesse handelt. Zusammengefasst werden hier alle Gifte und Stoffe, die derzeit in der Öffentlichkeit unter den Schlagwörtern künstliche Drogen, synthetische Drogen und Designer-Drogen bekannt sind.
Dieses erweiterte Verständnis von Designer-Drogen ermöglicht es, unabhängig von subjektiven Motiven der Hersteller, Stoffe, die unterschiedliche Gemeinsamkeiten aufweisen, unter einer Begrifflichkeit zusammenzufassen.
Klassisch werden die Stoffe nach ihren Grundwirkungen (betäubend, aufputschend, halluzinogen), nach „legal“ oder „illegal“ oder „hart“ und „weich“ unterschieden. Die vertikale Unterscheidung in „natürliche“, „halbsynthetische“ und „künstliche“ (Designer-Drogen) ermöglicht eine weitere Unterscheidung nach der unterschiedlichen Herkunft und Herstellungsart der Stoffe.
Hilfreich könnte diese Differenzierung nicht nur aus kriminalistischer oder juristischer Sicht sein. Auch für Wissenschaft und Forschung, für die Präventionsarbeit oder die Suchthilfe kann diese Differenzierung nützlich sein, wenn es darum geht, für neue Konsumentengruppen Zugangs-, Hilfs- und Unterstützungsangebote zu entwickeln.
Dies bezieht sich zunächst auf zwei Stoffe, die im engeren Sinne nicht zu den Designer-Drogen gezählt werden, die aber ausschließlich Ergebnisse chemischer Laborkreativität sind und die zur Zeit bei jungen Menschen sehr hoch im Kurs stehen. Das ist zum einen das schon in den 70-er Jahren sehr weit verbreitete
LSD,
das seit Anfang der 90-er wieder verstärkt auf dem Markt gehandelt wird und zum anderen die sogenannte „Kultdroge“ Ecstasy. Beide Stoffe werden auch als „Partydrogen“ betitelt.
Ebenfalls als Partydrogen werden, aufgrund ihres „großen anlassbezogenen Konsums“ vor allem auf Partys und Feten,
Kokain,
Crack,
Speed und andere
Amphetamine bezeichnet. Sie finden auf Technoparties und in Diskotheken, aber auch auf privaten Feten eine immer größere Verbreitung.
Es handelt sich dabei nahezu ausschließlich um aufputschende beziehungsweise stimulierende Stoffe. An sie knüpfen die Konsumenten die Erwartung, dass eine Fete „so richtig in Schwung kommt“ und sie die Stimmung „zum Kochen“ bringen. Diese Partydrogen werden auch als „Modedrogen“ bezeichnet.
Modedrogen sind wiederum Stoffe, deren Konsum in einer Szene oder zu einer bestimmten Zeit „angesagt“ oder „in“ sind, die „im Trend“ liegen oder auch Epochen beschreiben.
Dabei muss es sich nicht ausschließlich um Designer- oder Partydrogen handeln. In einigen Szenegruppen ist zur Zeit beispielsweise das „Crackrauchen“ oder das „Schnüffeln“ von Lösungsmitteln in Mode.
Wieder andere Gangs in anderen Regionen des Bundesgebietes oder auch nur in anderen Stadtteilen oder aus anderen sozialen Umfeldern inhalieren Lach- oder Treibgas aus Sprühdosen oder Kartuschen. Das heute in Sprühdosen als Treibgas verwandte Butan oder auf Campingplätzen zum Kochen verwandte Propangas sind neben Feuerzeugbenzin und Lachgas die am weitesten verbreiten Wirkstoffe bei den sogenannten „Gasern“, denen Vielfach der Zugang oder das nötige Geld für den Erwerb und Konsum anderer Stoffe fehlt.
Die einzelnen Stoffe können dabei „veredelte“ Naturstoffe wie etwa beim Marihuana, Nikotin oder Gärungsalkohol sein. Diese Drogen werden dann weithin als „weiche Drogen“ bezeichnet.
Sie können aber auch chemisch beziehungsweise künstlich aufbereitete Naturrohstoffe sein. So wird etwa
Opium zum
Heroin oder Koka zum Kokain synthetisiert, aber auch Weizen zum Korn gebrannt. In diesem Fall spricht man häufig von halbsynthetischen und „harten Drogen“.
Schließlich können sie völlig ohne jegliche Rohstoffbasis, ausschließlich aus chemischen Substanzen, in entsprechenden Laboren hergestellt werden. In diesem Fall werden die Produkte als Designer-Drogen bezeichnet (z. B. Ecstasy, Speed oder
Fentanyl).
Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch die meisten
Medikamente der schulmedizinischen Therapien ebenfalls reine Kunstprodukte sind
Stand: Juli 2006
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