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Cannabis – THC

Haschisch, Marihuana

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Jedes Land hat seine eigene Geschichte mit Cannabis. In der ganzen Welt brachten Cannabisprodukte vielfältige kulturelle Konsumgewohnheiten hervor. Heute sind Cannabis-Produkte im westlich-christlichen Kulturkreis verboten. Demgegenüber nimmt der Cannabis-Konsum in islamischen Ländern die gleiche Stellung ein wie im Westen der Alkohol.

Kapitelübersicht

Geschichte des Hanfs

Jedes Land hat seine eigene Geschichte mit Cannabis: Die Cannabispflanze wurde zuerst in China und Indien als Heilpflanze kultiviert. Erst um das Jahr 500 wurde Cannabis in Europa bekannt. In der ganzen Welt brachten Cannabisprodukte vielfältige kulturell unterschiedliche Definition Konsum-Gewohnheiten hervor.

Cannabis wird seit Jahrtausenden im asiatischen Raum aus der weiblichen Hanfpflanze gewonnen. Die bis heute wirkstoffstärkste Hanfpflanze ist die in Südindien beheimatete Cannabis sativa. Viele Arten der zur Cannabisproduktion in unterschiedlichem Umfang geeigneten Hanfpflanzen gedeihen auf der ganzen Welt.

Die erste Erwähnung der Droge in der Literatur findet sich in einem Arzneimittelbuch des chinesischen Kaisers Sheng-Nung. Er empfahl bereits 2737 v. Chr. die Droge gegen Verstopfung, Rheuma, Malaria und andere Beschwerden. Im Gegensatz zum Opium spielte Cannabis in China jedoch keine große Rolle.

Um 800 v. Chr. tauchte die Droge in der indischen Literatur auf. Besonders in der ayurvedichen Medizin wurde Cannabis gegen eine Vielzahl von Krankheiten eingesetzt, z.B. bei psychosomatischen Leiden wie Schlaflosigkeit, Migräne usw.). Auch im religiösen Bereich war die Droge fest integriert. Bis heute ist Haschisch in Indien nicht verboten und wird beispielsweise als Appetitanreger eingesetzt.

Im frühen Mittelalter erhielten die Araber Kenntnis vom Hanf. Den Einsatz von Cannabis fand man nicht nur im medizinischen Bereich weltweit, sondern auch bei religiösen Festen und anderen Ritualen. Ebenso wurde Cannabis, bzw. Haschisch, in Kriegen eine besondere Bedeutung beigemessen. Ende des 11. Jahrhundert bis weit ins 13. Jahrhundert benutzten die Assassinen (Geheimbund) im Einsatz gegen die Kreuzritter Haschisch.

Heutige Bedeutung von Cannabis

Während bis zur Neuzeit der Haschischkonsum in der ganzen Welt eine Vielfalt von kulturellen Mustern hervorbrachte und höchst unterschiedlich bewertet wurde, sind die Cannabis-Produkte seit dem Ende der 20er Jahre (Prohibition), ausgehend von den USA, Gegenstand harter Verfolgung im westlich-christlichen Kulturkreis. In Deutschland wurde der Anbau von Hanf allerdings erst mit dem Ende des Nationalsozialismus eingestellt. Demgegenüber nimmt bis heute der Cannabis-Konsum in islamischen Ländern die gleiche Stellung ein wie im Westen der Alkohol.

Verarbeitung

Cannabis wird hauptsächlich zu Marihuana und (dem stärkeren) Haschisch verarbeitet. Beide Cannabis-Produkte werden vorwiegend geraucht. Haschisch stammt vorwiegend aus dem Vorderen Orient, aus Ostasien sowie Nord- und Zentralafrika. Marihuana kommt hauptsächlich aus Mittelamerika, vor allem aus Mexiko. Die Rauschdroge Cannabis wird in zwei Varianten gebraucht: in Amerika vor allem als Marihuana, in Asien und Afrika häufiger als Haschisch, in Europa sind beide Varianten gebräuchlich. Beide Substanzen stellen Verarbeitungen der blühenden weiblichen Hanfpflanze dar.

Unter Marihuana versteht man dabei ein tabakartiges Gemisch aus den getrockneten Blättern und Blüten, während das wesentlich stärkere Haschisch das reine, unveränderte Harz aus den Blütenspitzen ist.

Das begehrte Harz stammt aus den mikroskopisch kleinen Drüsenköpfen der oberen Laubblätter. Wenn diese durch Überdruck platzen, fließt das Harz aus und überzieht die Blättchen mit einem klebrigen Film. Bei der Ernte gehen die Cannabisbauern zur Blütezeit mit Lederschürzen oder Lederhosen durch die Hanffelder. Dabei bleibt das Harz am Leder kleben und kann mit dem Messer wieder abgeschabt werden. Dann wird es zu größeren Stücken geknetet und in Leinen eingenäht.

Zubereitung

Für den Genuss werden Stückchen der harten Haschisch-Platte in einem Metalllöffel über einer Kerzenflamme, oder der „Brösel“ direkt über einer Flamme erwärmt und zerbröselt. Ungefähr ein Gramm dieser Krümel wird dann mit etwas Taback vermengt und die Mixtur zu einer Zigarette (Joint) gedreht und geraucht. Pur geraucht werden die Haschischkrümel in Spezialpfeifen mit kleinem Tonkopf und langem Holzstiel, in Wasserpfeifen oder in einer kleinen Glaspfeife. Der Vielfalt dieser Utensilien sind keine Grenzen gesetzt. Weitere Genussmöglichkeiten sind das Harz mit Wein oder anderen Flüssigkeiten vermengt zu trinken, es dem Essen beizumischen oder es in Plätzchen zu verbacken. Beim oralen Konsum wird dem Fett und dem Zucker eine große Rolle als Transporteur des Wirkstoffes THC zu geschrieben. Marihuana wird meist in Joints geraucht oder oral in Form Tees, Milchgetränken oder Keksen konsumiert.

Psychische Wirkungsweise

Grundsätzlich ist die Cannabiswirkung nicht nur abhängig von der pharmakologischen Wirkung, sondern auch vom „Set“, dem subjektiv emotionalen Zustand und dem Vorhandensein bzw. der Disposition zu psychischen Störungen des Konsumenten, und dem „Setting“, dem sozialen Rahmen, in dem Cannabis konsumiert wird

Nach dem Konsum treten häufig eine Veränderung der emotionalen Gestimmtheit (high) in Richtung Euphorie, Wahrnehmungsveränderungen im optischen und akustischen Bereich sowie eine Veränderung der Zeitwahrnehmung auf. Dämpfungen und Anregungen des Limbischen Systems bewirken Eindrücke der Zeit-dehnung und Gefühlsintensivierung (Farben werden leuchtender, Töne klarer und schöner, selbst einfache Speisen köstlich, Gerüche können zu überwältigenden Erlebnissen werden).

Zusätzlich finden sich Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, der Konzentration und des Denkens in Form eines etwas assoziativ-gelockerten, ideenflüchtigen Denkens. Die Sprache wird verwaschen und die Dunkeladaption des Auges ist verlangsamt. An unangenehmen und unerwünschten psychischen Akutwirkungen können Angst, Panik, Horrorvisionen und Depersonalisationserlebnisse (Verlust des Persönlichkeitsgefühls) auftreten.

Folgewirkung auf Gehirn und Psyche

Funktionelle Gehirnstörung

Chronische Cannabiskonsumenten zeigen charakteristische Veränderungen im EEG in Form von erhöhten absoluten Amplituden aller Frequenzen über allen Hirnabschnitten, Abnahme der relativen Amplitude aller nicht -alpha-Frequenzen sowie eine Hyperfrontalität der Alpha-Aktivität.

Gedächtnis

In nahezu allen Untersuchungen sind Störungen im Kurzzeitgedächtnis unmittelbar nach dem Konsum belegt. Bemerkenswert ist, dass qualitativ gute Studien auch mehrere Wochen nach dem letzten Cannabiskonsum bei Dauerkonsumenten Gedächtnisstörungen feststellen können.

Psychosen

Als Droge mit einer leicht ausgeprägten Definition halluzinogene Wirkung kann Cannabis bei Personen mit einer entsprechenden Veranlagung eine Psychose auslösen oder bei Vorliegen einer Psychose diese verschlimmern. Hierzu reicht möglicherweise schon ein einmaliger Konsum aus. Neben der akuten Intoxikationspsychose, die nach wenigen Stunden oder Tagen wieder abklingt, wurden länger anhaltende psychotische Symptome nach Cannabiskonsum zunächst als eigene psychotische Erkrankung – Cannabisschizophrenie – verstanden. Die Gründe für die Annahme, dass Cannabiskonsum eine Psychose beeinflussen könnte, liegen zum einen in der Ähnlichkeit der milden psychotischen Symptome nach Cannabiseinnahme mit schizophrenen Denkstörungen, zum anderen wirkt Cannabis auf das Definition Dopamin-System im Gehirn, dem auch bei schizophrenen Störungen eine bedeutende Rolle zugemessen wird.

„Flashback“

Unter „Definition Flashback“ oder Echorausch versteht man rauschähnliche Zustände, die Wochen oder Monate nach dem letzten Konsum ohne erneute Drogeneinnahme auftreten. Sie sind eher typisch für andere Halluzinogene (Interner Link LSD) und treten nach reinem Cannabiskonsum sehr selten auf, wenn nicht zusätzlich andere Halluzinogene eingenommen werden.

Physische Wirkungsweise

Es kommt zu einer Steigerung der Pulsfrequenz und des Blutdrucks, Hungergefühl, sowie zu einer Rötung der Bindehaut. Abhängig von Konsumdosis und Gewöhnungseffekten können auch eine Blutdrucksenkung mit Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Mundtrockenheit und Reizhusten auftreten. Die Toxizität von Cannabis ist gering, so dass noch kein Todesfall durch unmittelbare körperliche Auswirkungen des Cannabiskonsums dokumentiert ist.

Internistische Wirkungen des chronischen Cannabiskonsums

Herz-Kreislauf-System

Bei Personen, die an einer Verengung der Herzkranzgefäße leiden, können durch die Kumulation (vergiftende Wirkung kleiner aber fortgesetzt genommene Dosen, Anhäufung) der negativen Auswirkungen von Frequenzsteigerung, Blutdruckerhöhung und reduzierter Sauerstoffsättigung Angina pectoris-Anfälle auftreten.

Atemwege

Cannabis enthält mehr bronchialtoxische Stoffe als Tabak. Es wurde eine Zunahme toxischer Lungenschäden wie Atemwegsentzündungen, Verengungen der Atemwege und der Anzahl präkanzeröser Veränderungen bei Cannabiskonsumenten ermittelt.

Schwangerschaft

Wegen einer Lipophilie (Fettlöslichkeit) ist Cannabis placentagängig und tritt in die Muttermilch über. Untersuchungen finden teilweise bei Neugeborenen ein vermindertes Geburtsgewicht, eine verminderte Körperlänge und eine gering verkürzte Schwangerschaftszeit, falls die Mütter in der Schwangerschaft Cannabis konsumiert haben.

Cannabis und Abhängigkeit

Physische Abhängigkeit

Kennzeichen einer physischen (körperlichen) Definition Abhängigkeit sind das Auftreten von körperlichen Entzugserscheinungen, die sich nach Gabe der jeweiligen Substanz zurückbilden und die Entwicklung einer Toleranz, also das Nachlassen der Wirkung bei wiederholtem Konsum der gleichen Dosis einer Substanz oder eine Tendenz zur Dosissteigerung, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Psychische Abhängigkeit

Von der WHO wird psychische Abhängigkeit als „Innerer Zustand, in dem man Zufriedenheit und ein starkes psychisches Bedürfnis nach periodischem oder dauernden Definition Genuss einer Droge empfindet, um ein Gefühl des Wohlbefindens zu erzeugen oder Unbehagen zu vermeiden“, bezeichnet. Kriterien einer psychischen Abhängigkeit nach Interner Link ICD-10 sind etwa „ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, eine Substanz zu konsumieren; ein anhaltender Konsum trotz des Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen“ und „Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums“. Wendet man diese Kriterien auf epidemiologische Untersuchungen an, ergibt sich für Deutschland, daß unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ca. ein Drittel Cannabiserfahrungen haben, davon sind etwa 4% als abhängig zu bezeichenen.

Amotivationales Syndrom

Vor allem als Folge eines länger dauernden, häufigen Cannabiskonsums soll sich ein „amotivationales Syndrom“ einstellen, das sich in einer Antriebsverminderung bezüglich schulisch-beruflicher Weiterentwicklung, reduzierter Leistungsbereitschaft und herabgesetzter Frustrationstoleranz äußert.

Fahrtauglichkeit

Wie bereits bemerkt führt akuter Cannabiskonsum zu kognitiven Leistungseinbußen, die die Fähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeugs beeintrachtigen können. Wissenschaftlich ist insbesondere von Interesse, wie sich diese Störungen in einer realitätsnahen Fahrsimulation auswirken. Hier zeigt sich, dass es vor allem in den ersten Stunden nach Cannabiskonsum zu einer relevanten Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit kommt. Da aber die derzeitigen Möglichkeiten der Cannabisbestimmung nur ungenügende Schlussfolgerungen auf den Zeitpunkt des letzten Cannabiskonsums zulassen, ist eine praktikable objektive Eingrenzung des Zeitraums der eingeschränkten Fahrtüchtigkeit nicht möglich.

Rechtslage

Im § 31a des geänderten BtmG von 1992 ist festgelegt, dass beim Besitz von Rauschmitteln „in geringen Mengen“ für den Eigengebrauch die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen kann. Die „geringe Menge“ ist noch nicht bundesweit einheitlich definiert, in Bayern beträgt sie etwa 5g, in Schleswig-Hostein etwa 30g Erwerb, Handel und Herstellung auch von Cannabis bleiben weiterhin verboten.

Cannabis als Medikament

Nach Literaturbeschreibungen wirkt Cannabis gegen das alkoholinduziert Delirium tremens (Entzugsdelirium). Cannabis zeigt auch eine leicht ausgeprägte, jedoch inkonstante, appetitsteigernde Wirkung sowie bei lokaler Anwendung am Auge eine Senkung des Augeninnendrucks. Daneben gibt es noch Hinweise auf antiepileptische, analgetische und muskelrelaxierende Wirkungen von Cannabis. Bekannt sind die synthetischen Cannabinoidzubereitungen Dronabinol (Produktname: Marinol) und Nabinol (Produktname: Cesamet). Anwendungsbereiche (vorwiegend im Ausland): Spastik, Schmerzzustände, AIDS, Krebs, Glaukom, Migräne, Schlaflosigkeit.

Informationsquelle: Schmidtbauer / Scheidt 1994, Markus Backmund „Sucht-Therapie“

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Stand: Juli 2006

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