Nachrichten-Archiv jugend hilft jugend
Meldung vom 24. März 2004
Alt und weise? Nicht als Raucher.
Im Rahmen einer Studie an knapp 10.000 Probanden kam ein internationales Wissenschaftsteam zu folgender Erkenntnis: Rauchen beschleunigt bei lteren Menschen den Verlust der geistigen Fhigkeiten. Die kognitive Leistung der rauchenden Teilnehmer des Experimentes lie im Schnitt fnf Mal schneller nach, als die der nicht rauchenden Testpersonen. Ein direkter Zusammenhang - je grer der Tabakkonsum, desto sinkender die geistigen Leistungen - besttigte sich.
Alewijn Ott vom medizinischen Zentrum Erasmus in Rotterdam und seine Kollegen erklrten dazu in der Fachzeitschrift "Neurology", dass Tabakkonsum nicht nur die bekannten Risikofaktoren Arteriosklerose und Bluthochdruck hervorrufe, sondern auch zu kleinen und lokal begrenzten Durchblutungsstrungen im Gehirn fhre. Diese, so vermuten die Wissenschaftler, wrden Störungen im komplexen Denkprozess hervorrufen, htten aber sonst meist keine schwer wiegenden Folgen.
Registrierungspflichtiger Artikel der WELT: www.welt.de/data/2004/03/24/255353.html
APOBEC3GE gegen Hepatitis B
50 Mal weniger DNA des Hepatitis-B-Virus bilden Zellen, die das menschliche Enzym APOBEC3GE enthalten. Diesen Schutz der Zellen, gegen eine chronische Infektion mit Hepatitis-B-Viren (HBV), entdeckte das Team um Priscilla Turelli an der Universität Genf und berichtete nun davon in der Fachzeitschrift "Science". Bisher war lediglich bekannt, dass das Enzym vor Retroviren schtzen kann. Nun offenbarte sich also seine positive Wirkung bei HBV, trotzdem Hepatitis ein DNA-Virus und kein Retrovirus ist. Zukunft liegt jetzt in der Anwendung von APOBEC3GE in der Leber, wo es normalerweise nicht gebildet wird, aber einen positiven Effekt bei akuter und chronischer Hepatitis erhoffen lsst.
Registrierungspflichtiger Artikel der WELT: www.welt.de/data/2004/03/24/255355.html
Produktionsausflle durch Depressionen
Depression gilt mittlerweile als Volkskrankheit Nummer 1 und der Trend zur Depression hält an, so eine aktuelle Studie im Auftrag der Techniker und Deutscher Angestellten Krankenkasse, sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Psychische Erkrankungen fhren vermehrt zu Arbeitsunfhigkeit und zunehmenden Produktionsausfllen . Nach einer Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin betrug der Verlust allein 2001 etwa drei Milliarden Euro. Depressionen sind der häufigste Grund für eine Frühverrentung. Bei den Frauen steht sie an erster, bei den Mnnern an zweiter Stelle. Die Folgekosten bei der Behandlung von Depressionen sind oft vor allem deshalb so hoch, weil Depressionen zu spt erkannt und nicht angemessen behandelt werden. Der deutsche Hausärzteverband spricht von lediglich 55 Prozent aller depressiv Erkrankten, die bei einer Erstkonsultation die richtige Diagnose erhielten. Auf die richtige Behandlung konnten sich nur noch zehn Prozent der Betroffenen verlassen. Dabei sei die Erkrankung gut therapierbar, wenn sie frühzeitig erkannt wrde, so Michael Deuschle, Leitender Oberarzt am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Es bedarf also konkreter Behandlungsleitlinien, einer fachärztebergreifende Versorgung und einer verbesserten Fort- und Weiterbildung von Hausärzten (als erste Ansprechpartner), um das auch volkswirtschaftliche Problem zu anzugehen. Diese plant man derzeit im Gemeinsamen Bundesausschuss, der für die stationäre und ambulante Versorgung der Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen zustndig ist, in Form eines Disease-Management-Programms.
Auslser für eine Depression sind neben einer erblichen Veranlagung oft Erlebnisse von Trennungen oder Arbeitslosigkeit, behauptet Michael Deutschle und wird von einer Untersuchung der Universität Dortmund besttigt. Nach dieser sind häufig Langzeitarbeitslose und Beschftigte in unsicheren sowie befristeten Arbeitsverhltnissen von Depressionen betroffen. Der Dortmunder Psychologe Peter Kuhnert bleibt nicht bei Feststellungen. "Die bisherigen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen reichen vermutlich nicht aus, psychische Erkrankungen bei Arbeitslosen zu verhindern und diese wieder erfolgreich in den Arbeitsmarkt einzugliedern." Er fordert bei Vermittlungsbemhungen auch Gesundheits- und Vorsorgeangebote anzubieten. Bundesweite Reihenuntersuchungen in Hausarztpraxen fordert die Bundespsychotherapeutenkammer sogar. Und Prsident Detlev Kommer kritisierte die Tatsache, dass einige Bundeslnder ihre Haushalte auf Kosten von psychosozialen Beratungsangeboten sanierten. Bis sechs Monate msse ein Patient derzeit auf einen Psychotherapieplatz warten. Besonders angespannt sei die Situation in Ostdeutschland und bundesweit im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie.
Depressionen sind, nach den Ergebnissen einer WHO-Studie (Lopez, Murray 1997), Volkskrankheit Nr. 1. in entwickelten Lndern. Depression ist auerdem die psychische Erkrankung mit dem hchsten Suizidrisiko und gehrt dennoch zu den am meisten unterschtzten Krankheiten. Sie differenziert von Patient zu Patient und von "Tief" zu "Tief". Mgliche Symptome sind u. a. gebndelt auftretende Beschwerden wie: fehlendes Selbstvertrauen, Schlafstrungen, Konzentrationsprobleme, Freudlosigkeit und Leere (auch bei schnen Dingen), Angst, psychosomatische Beschwerden, sexuelles Desinteresse und Antriebslosigkeit. Nur ein Drittel der Betroffenen sucht medizinische Hilfe. Daher vergeht oft wertvolle, unter Umstnden lebensrettende Zeit, bevor ein depressiv Erkrankter angemessen behandelt werden kann. Als Therapie kommt häufig die hilfreiche Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie zum Einsatz.
Am 5. Februar grndet sich das "Harburger Bündnis gegen Depression". Damit hat das größte Projekt gegen Depression in der Geschichte des deutschen Gesundheitswesens künftig auch einen Sttzpunkt in Hamburg. Schon seit Mai 2003 läuft die bundesweite Ausweitung des erfolgreichen "Nrnberger Bündnisses gegen Depression". Wir berichteten am 25.01.2004 in einem entsprechenden Artikel:www.jugend-hilft-jugend.de/artikel/107498520076749.shtml. Einen weiteren Artikel zum Thema Depression (09.03.2004) finden Sie hier: Gibt es eine Verbindung zwischen Depressionen und Herzinfarkten?
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