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Meldung vom 14. Oktober 2002
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SCHWERPUNKT AUF POLYTOXIKOMANEM DROGENKONSUM, THERAPIEERFOLG UND DROGENKONSUM IM STRAFVOLLZUG Der am 3. Oktober erschiene Bericht legt den Schwerpunkt insbesondere auf den polytoxikomanen Drogenkonsum, Therapieerfolge und das kontroversielle Thema Drogenkonsum im Strafvollzug. Zum Thema polytoxikomaner Drogenkonsum gibt der Bericht die wachsende Besorgnis innerhalb der EU und Forderungen nach einer eingehenderen Untersuchung der involvierten"Rituale und soziale Kontrolle" wider. Zum Thema Therapieerfolg kommt er zu dem Schluss, dass die nachweislich erfolgreichen Methoden ausgeweitet und verfeinert werden sollten. Zum Thema Drogenkonsum im Strafvollzug bemerkt die EBDD, dass der Drogenkonsum die Realitt des Strafvollzugs in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend verndert hat. Hier einige Auszge aus diesem Kapitel: POLYTOXIKOMANER KONSUM - ZUSTZLICHE ERKENNTNISSE NOTWENDIG Unter polytoxikomanem Drogenkonsum versteht man den gleichzeitigen Konsum mehrerer illegaler Drogen sowie von illegalen Drogen und legalen Drogen wie Alkohol. Manchmal werden auch Energy-Drinks in die Definitionen mit einbezogen, und in Frankreich zhlt auch Tabak dazu. Der polytoxikomane Drogenkonsum zielt darauf ab, die Wirkung von Substanzen zu maximieren, negative Wirkungen zu reduzieren oder auszugleichen oder die angestrebte Wirkung zu erzielen. Manche Formen des polytoxikomanen Konsums sind riskanter als andere. Nur ein Beispiel: Obwohl man Die meisten drogenbedingten todesfälle stehen mit dem injizierenden Heroinkonsum in Kombination mit anderen Drogen in Verbindung. So ist bei über 50 % der tödlichen berdosierungen im Vereinigten Knigreich und bei bis zu 90 % in Irland mindestes eine andere Droge bzw. Alkohol mit im Spiel. Polytoxikomaner Drogenkonsum wird auch als ein hohes Risiko beim Fhren von Fahrzeugen betrachtet, die EU-Daten zu Drogen am Steuer sind jedoch sehr begrenzt. Vor kurzem wurde gewaltttiges oder aggressives Verhalten mit verstrktem Alkoholkonsums in Kombination mit stimulierenden Drogen in Zusammenhang gebracht. In einigen Lndern steigt weiterhin die Zahl der todesfälle infolge des polytoxikomanen Drogenkonsums. Das größte gesundheitliche Risiko besteht bei problematischen Drogenkonsumenten, insbesondere bei denjenigen, die Opiate und andere Drogen injizieren. Die Mehrzahl der Personen, die sich in Behandlung befinden, sind Mnner, insbesondere diejenigen, die Heroin in Verbindung mit anderen Opiaten und Kokain oder Alkohol konsumieren. Polytoxikomaner Drogenkonsum tritt häufiger bei jungen Leuten im Umfeld von Tanzklubs auf als bei jungen Menschen in anderen Settings. Die am meisten gefhrdeten Gruppen sind ltere Konsumenten und Freizeitkonsumenten. Der Bericht schliet damit, dass die Rituale und die soziale Kontrolle, die von polytoxikomanen Drogenkonsumenten eingesetzt werden, um die angestrebte Wirkung zu erzielen und gleichzeitig das Risiko zu verringern, wie auch die damit einhergehende klinische Problematik eingehender untersucht werden mssen. THERAPIEERFOLGE MSSEN AUSGEBAUT WERDEN Eines der Ziele des Aktionsplans der EU zur Drogenbekmpfung (2000-2004) ist "die erhebliche Steigerung der Anzahl erfolgreich behandelter Drogenabhängiger". Es gibt auf Europäischer Ebene jedoch keine aggregierten Daten, um dies direkt zu messen - dafr jedoch zahlreiche EU-weite Evaluationen darber, was funktioniert. Die Entzugsbehandlung oder Entgiftung gilt im Allgemeinen als der erste Schritt in einem umfassenden Behandlungsprozess, jedoch als die am seltensten evaluierte Behandlungsmanahme. Methadon wird weithin eingesetzt. Entzugsbehandlung ohne Einsatz von Medikamenten, auch "kalter Entzug" genannt, wird praktiziert, aber in welchem Mae sie verbreitet ist, ist nicht wirklich bekannt. Nach Worten der Beobachtungsstelle ist das vor kurzem entstandene Konzept der raschen Entgiftung mit Naltrexon unter Vollnarkose (manchmal als "Turbo-Entzug" bezeichnet) noch nicht eingehend analysiert worden, sollte jedoch grndlicher untersucht werden. Obwohl einige Entzugsbehandlungen einer Evaluation unterzogen wurden, werden umfassendere Informationen über das Fr und Wider der verschiedenen Modalitten sowie darber bentigt, welche Art von Entzugsbehandlung bei welcher Art von Patient eingesetzt werden sollte. Die abstinenzorientierte Behandlung (ohne pharmakologische Substitution) wendet physisch-soziale Techniken an mit dem Ziel, dass der Klient zuerst abstinent wird und dann langfristig von seiner Bedrfnis nach Drogen befreit wird. Im Allgemeinen schlieen 30 bis 50 % der Klienten die abstinenzorientierte Behandlung erfolgreich ab. Die abstinenzorientierte Behandlung wurde in ganz Europa evaluiert, wobei unterschiedliche Methoden angewandt und insbesondere in den letzten zehn Jahren umfangreiche Erkenntnisse gewonnen wurden. Es bedarf jedoch der weiteren Forschung, um auf jngste Phnomene reagieren zu knnen. Das Ziel der medikamentengestützten Behandlung (die die Substitutionstherapie einschliet) kann Abstinenz sein, mglicherweise aber auch die langfristige medizinische Weiterbehandlung des Klienten bedeuten. Die Behandlung mit Methadon ist die am weitesten verbreitete medikamentengestützte Behandlung. Sie ist in ganz Europa umfassend evaluiert worden und hat sich im Allgemeinen als wirksam erwiesen, Ziele wie z. B. die Reduzierung des Konsums illegaler Drogen, des Risikoverhaltens und der Straftaten zu erreichen. Entzugsmanahmen mit Methadon haben sich als besonders wirksam erwiesen, ebenso mit Buprenorphin. Trotz dieser offensichtlichen "Erfolge" geben einige Lnder zu bedenken, dass weder Methadon noch Buprenorphin das allgemeine Wohlbefinden obdachloser Drogenabhängiger, die unter groem Leidensdruck stehen, hinreichend verbessert haben. Daher wurde in diesen Lndern nach Alternativen gesucht, beispielsweise die Verabreichung von Heroin unter rztlicher Aufsicht. Zu dem gesamten Themenkomplex Therapieerfolg kommt der heute erscheinende Bericht zu der Schlussfolgerung, dass in den letzten Jahren groes Gewicht auf die Ausweitung der Behandlungsangebote gelegt wurde, ein Vorhaben, das im Groen und Ganzen auch erreicht wurde. Nunmehr besteht die Herausforderung darin, das Spektrum an Behandlungsangeboten zu erweitern und die eigentlichen Maßnahmen zu verbessern und damit bessere Erfolge zu erzielen. DROGEN HABEN DIE REALITT DES STRAFVOLLZUGS VERNDERT Nach Angaben des Berichts haben Drogen und Drogenkonsum die Realitt des Strafvollzugs in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend verndert. Heutzutage stehen alle Europäischen Lnder vor groen Problemen, die sich aus dem Drogenkonsum und drogenbedingten Infektionskrankheiten in Haftanstalten ergeben. In Bezug auf Drogenkonsum knnen Inhaftierte als besondere Risikogruppe eingestuft werden. Im Vergleich zur Auenwelt ist der Anteil der Drogenkonsumenten im Strafvollzug tatschlich berhht. Der Anteil der Inhaftierten in der EU, die angeben, irgendwann eine illegale Droge konsumiert zu haben, schwankt je nach Haftanstalt und Land zwischen 29 und 86 % (ber 50 % in den meisten Studien). Wie auch auerhalb des Strafvollzugs ist Cannabis die am häufigsten konsumierte Substanz, jedoch weisen mehrere Studien ebenfalls auf einen hohen Heroinkonsum hin (fast 50 % der Inhaftierten in einigen Fllen). Bis zu 69 % der Haftinsassen berichten von regelmigem und/oder schdlichem Aufgrund der geringen Verfgbarkeit von illegalen Drogen sind die meisten Drogenabhängigen gezwungen, ihren Konsum nach der Inhaftierung einzustellen oder zu reduzieren. Einige konsumieren hingegen weiterhin Drogen, mitunter sogar in einem noch greren Umfang als zuvor; andere wiederum beginnen damit erst nach Haftantritt. Es liegen kaum nationale Routineinformationen über den Drogenkonsum im Strafvollzug vor, doch kleinere lokale Studien weisen auf alarmierende Ausmae hin. Drogenkonsum im Strafvollzug wird von bis zu 54 % der Inhaftierten, regelmiger Drogenkonsum von bis zu 36 % berichtet. Bis zu 26 % der inhaftierten Drogenkonsumenten gaben an, im Strafvollzug erstmals Drogen konsumiert zu haben, whrend bis zu 21 % der injizierenden Drogenkonsumenten in der Haftzeit mit dem Injizieren begannen. Im Strafvollzug ist riskanteres Verhalten zu beobachten, wie etwa die gemeinsame Benutzung von Drogenbesteck, Ttowieren und Prostitution. Obwohl die Anzahl von Frauen in Haftanstalten niedriger ist als die Zahl der Mnner, ist ein hherer Anteil an Drogenkonsumenten unter weiblichen Inhaftierten zu verzeichnen. Der Zugang zu illegalen Drogen ist in der Haftanstalt um Vieles schwieriger als auerhalb. Nichtsdestoweniger ist gegen entsprechende Bezahlung alles erhltlich. Die Drogenpreise werden zwei- bis viermal hher als auerhalb der Haftanstalt veranschlagt, was die Ausgaben für Drogen um das Zehn- bis Zwanzigfache ansteigen lsst. Drogenhandel im Strafvollzug ist weitaus besorgniserregender als auerhalb des Strafvollzugs, da er zu Einschchterung, Tyrannisierung und Kriminalität fhrt. Dem Bericht zufolge kann mit den gegenwrtigen Suchthilfeangeboten der potenzielle Bedarf der Drogenkonsumenten, die schtzungsweise über 50 % aller Inhaftierten ausmachen, nicht gedeckt werden. Die meisten Strafvollzugssysteme in Europa mssen sich der Herausforderung, das Gleichwertigkeitsprinzip der Behandlung ("equivalence of care") innerhalb und auerhalb des Strafvollzugs durchzusetzen, noch stellen. In den meisten Vollzugsanstalten in der EU und in Norwegen ist offenbar schriftliches Informationsmaterial zu Drogen und drogenbedingten Infektionskrankheiten vorhanden, jedoch besteht kaum die Möglichkeit, auf Fragen der Prävention systematisch und wiederholt in einem persnlichen Gespräch einzugehen. Oft bedarf es dazu der Initiative der externen Stellen oder einzelner Strafvollzugsbeamter. Entgiftung wird in der Regel durch die medizinischen Dienste der Haftanstalten oder in speziellen Entgiftungsstationen angeboten, jedoch mangelt es häufig an Qualitätsleitlinien. Mit Ausnahme von Griechenland, Schweden und zwei deutschen Bundeslndern (Bayern und Baden-Wrttemberg) steht nunmehr in den Justizvollzugsanstalten in allen EU-Lndern und in Norwegen eine Substitutionstherapie zur Verfgung. Doch auch in den Lndern, in denen sich ein groer Teil der problematischen Drogenkonsumenten auerhalb des Strafvollzugs in Substitutionstherapie befindet, wird von den Vollzugsanstalten oft lediglich eine Entgiftungstherapie angeboten. Die Verhtung der Ansteckung mit Infektionskrankheiten whrend der Haft ist ein vorrangiges Ziel verschiedener Europäischer Strafvollzugssysteme. Einige wichtige Maßnahmen, die sich in der Auenwelt als wirksam erwiesen haben, lassen sich jedoch nur schwer umsetzen, da sie politisch belastet sind, vonseiten des Personals auf Widerstand stoen und im Umfeld des Strafvollzugs als unangemessen empfunden werden.
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