Artikel vom 15. September 2008
Der Bericht beschreibt wichtige Aspekte der Lebenssituation, der biographischen und psychosozialen Belastung der in der ambulanten Suchthilfe betreuten Alkohol- und Drogenabhängigen sowie die während der Betreuung erreichten Veränderungen für alle abgeschlossenen Betreuungen. Die wissenschaftliche Auswertung der BADO erfolgte durch das Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg ZIS.
Im ambulanten Hilfesystem in Hamburg – ohne Berücksichtigung der niedrigschwelligen Segmente – wurden 2007 von 44 ambulanten Suchteinrichtungen 13.700 verschiedenen Personen (2006: 13.000) erreicht. Diese Zahlen spiegeln die konstant hohe Nachfrage nach Drogen- und Suchthilfe wie auch die Akzeptanz der Hamburger ambulanten Suchthilfe bei den Betroffenen wider.
Der BADO-Bericht deutet darauf hin, dass die Zahl Abhängiger von „harten“ Drogen, wie Heroin und Kokain, in Hamburg auf hohem Niveau bleibt. Die Zahl betreuter primär Alkoholabhängiger ist leicht und die Zahl primär Cannabisabhängiger deutlich gestiegen. Die meisten der abhängigen Menschen konsumieren mehrere Suchtmittel gleichzeitig: Dabei weisen etwa zwei Drittel eine Alkoholproblematik auf, 41 % haben u. a. ein Cannabisproblem und 40 % eine Opiatabhängigkeit.
In einer Spezialauswertung werden für eine sehr hohe Fallzahl erstmals nähere Informationen über die biographischen Erfahrungen und die aktuelle Lebenssituation von älteren Alkoholabhängigen (60 Jahre und älter) bzw. Drogenabhängigen (45 Jahre und älter) geliefert. Körperliche Probleme bzw. Folgeerkrankungen spielen hier eine besondere Rolle.
Die Ergebnisse werfen die Frage nach einem altersentsprechenden Suchthilfebedarf auf.
Die Klienten / -innen der ambulanten Suchthilfe begannen die Beratung mit außerordentlich schweren psychosozialen und biographischen Belastungen, die unverändert etwa dem hohen Niveau der Vorjahre entsprachen.
Bei den abgeschlossenen Betreuungen wurde belegt, dass die Teilnehmer /-innen während der Betreuung in der ambulanten Suchthilfe insgesamt deutliche Verbesserungen erreichten. Die positiven Ergebnisse können als hoffnungsvermittelnder Ansporn verstanden werden, die differenzierten Suchthilfeangebote noch stärker und früher zu nutzen.
So kann bei den Alkoholabhängigen während der durchschnittlich sechsmonatigen Betreuungszeit eine deutliche Zunahme des Anteils Abstinenter (von 31 % auf 57 %), und bei den noch konsumierenden Personen eine Halbierung der Anzahl der Trinktage und der Trinkmengen dokumentiert werden.
Weitere herausragende Betreuungsergebnisse sind die Reduzierung erheblicher gesundheitlich-körperlicher Beeinträchtigungen sowie eine deutliche Reduzierung erheblicher psychisch-seelischer Belastungen.
Bei den Opiatabhängigen, von denen knapp zwei Drittel substituiert waren, zeigte sich nach durchschnittlich gut neun Monaten ambulanter Betreuung eine erhebliche Reduzierung des Drogenkonsums. Etwa zwei Drittel waren ohne Heroinkonsum. Ebenfalls stieg die Abstinenz hinsichtlich des Konsums von Kokain und Crack deutlich. Riskante Konsummuster, wie die gemeinsame Spritzenbenutzung, gingen deutlich zurück. Es waren mehr Abhängige in Arbeit integriert, und bei den Frauen erfolgte ein Rückgang der Prostitution. Die körperlich-gesundheitliche Verfassung verbesserte sich, und vor allem trat eine deutliche Reduzierung erheblicher psychisch-seelischer Belastungen und Beschwerden ein.
Weiterhin nicht zufriedenstellend ist, dass Alkoholabhängige erst nach zwölf Jahren problematischen Konsums Hilfe in den Beratungsstellen suchen. Bei den Opiatabhängigen vergehen im Schnitt fünf Jahre.
Vorstand des BADO e. V.
Dietrich Hellge-Antoni
Telefon: 040 / 4 28 37-20 82
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Artikel vom 15. September 2008
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